Gestern, am 24. August 2026, stand beim Fachtag „Pflege im Wandel – Vereinbarkeit von Pflege und Beruf als regionaler Standortfaktor“ im Kreishaus Cloppenburg die Frage im Mittelpunkt, wie berufstätige Menschen die Pflege ihrer Angehörigen mit ihrem Arbeitsleben vereinbaren können. Veranstaltet wurde der Fachtag vom Landkreis Cloppenburg, dem Forschungsverbund 4N und der Universität Vechta.
Nach Impulsen von Prof. Dr. Andrea Teti , Prof. Dr. Annette Franke und Prof. Dr. Markus Wübbeler, die erfreulicherweise die Lage der pflegenden An-und Zugehörigen in den Mittelpunkt ihrer Vorträge stellten, wurden in Workshops die verschiedenen Aspekte zum ThemaVereinbarkeit von Pflege und Beruf vertieft.
Für wir pflegen in Niedersachsen e.V. nahm Christiane Hüppe an der abschließenden Podiumsdiskussion „Wie viel ist uns Pflege und auch Care-Arbeit wert?“ teil. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Pflegeunternehmen, Wirtschaft und Gleichstellung wurde darüber diskutiert, welche konkreten Schritte zur Umsetzung einer kommunalen Pflegestruktur erforderlich sind.
Pflege darf nicht länger als private Angelegenheit betrachtet werden. Wer Eltern, Partnerinnen oder Partner oder andere Angehörige pflegt und gleichzeitig berufstätig ist, übernimmt eine gesellschaftlich unverzichtbare Aufgabe. Dennoch müssen pflegende Angehörige häufig ihre Arbeitszeit reduzieren, berufliche Chancen aufgeben oder geraten an die Grenze ihrer Belastbarkeit.
Der Fachtag machte deutlich: Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist nicht nur eine Frage der individuellen Organisation – sie ist eine gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Aufgabe. Unternehmen können mit flexiblen Arbeitszeiten, Pflegelotsen und konkreten Unterstützungsangeboten dazu beitragen, Beschäftigte im Beruf zu halten. Gerade im ländlichen Raum braucht es darüber hinaus verlässliche Versorgungsstrukturen und erreichbare Unterstützungsangebote.
Für wir pflegen in Niedersachsen e.V. bleibt dabei entscheidend, die Perspektive der pflegenden Angehörigen selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Sie brauchen nicht noch mehr Appelle zur besseren Vereinbarkeit, sondern verlässliche Entlastung, flexible Arbeitsmöglichkeiten und eine Pflegeinfrastruktur, die auch im Alltag tatsächlich funktioniert.
Denn: Wer Pflege übernimmt, darf nicht dafür bestraft werden – weder beruflich noch finanziell noch gesellschaftlich.
Der Fachtag in Cloppenburg hat gezeigt: Pflege und Care-Arbeit sind ein Standortfaktor. Aber vor allem sind sie eine Frage der Wertschätzung und der sozialen Verantwortung.